Früheres sowjetisches Ehrenmal

Früheres sowjetisches Ehrenmal

An das frühere sowjetische Ehrenmal an der Potsdamer Straße erinnert heute nur noch ein kleiner Stein und eine Plakette. Bei der Umgestaltung der Autobahn wurde dieses abgerissen und die Toten auf den kommunalen Friedhof der Stadt Ludwigsfelde umgebettet. Dabei stellte sich heraus, dass unter den 391 am Ehrenmal bestatteten, vermeintlich bei Ludwigsfelde gefallenen sowjetischen Soldaten, 148 Personen waren, die offenkundig keine Soldaten gewesen sind.

Unter ihnen waren viele junge Frauen sowie zehn Kinder zwischen einem und zwei Jahren. Es gilt als sicher, dass es sich bei ihnen um Zwangsarbeiter*innen und deren Kinder gehandelt hat.[1] Auch in anderen Zeugnissen von Überlebenden ist die Rede davon, dass in Ludwigsfelde nicht nur Zwangsarbeiter bestattet wurden, die z.B. an mangelnder ärztlicher Versorgung gestorben sind, sondern auch zahlreiche Kinder von sowjetischen Zwangsarbeiterinnen, die kurz nach der Geburt gestorben waren, in Ludwigsfelde begraben wurden.[2]

Dass das sowjetische Ehrenmal lange Zeit ein unbekannter Bestattungsort für Zwangsarbeiter*innen war, ist eine Beispiel dafür, dass auch in der DDR wenig Wert auf die Identifizierung verstorbener Zwangsarbeiter*innen gelegt wurde. Ein eigenes Gedenken an diese Opfergruppe war die absolute Ausnahme. Der erinnerungspolitische Fokus lag auf den Opfern des kommunistischen Widerstands und den Gefallenen der Roten Armee. Auch in der Bundesrepublik gehörten Zwangsarbeiter*innen ihrer großen Zahl zum Trotz, lange zu den vergessenen Opfern.

Die Fotos stammen aus der Serie „Berliner Ring 2000“ der Fotografin Elke Nord. Diese sind im Bestand der Stiftung Deutsches Museum. Die Fotografin hat uns großzügigerweise die unentgeltliche Nutzung erlaubt. Die beiden Fotos sind eine der wenigen noch auffindbaren Aufnahmen des Ehrenmals.


[1] Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 634.

[2] Hopmann, Barbara/Mark Spoerer/Birgit Weitz/Beate Brüninghaus, Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 1994,, S. 232.