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    KZ-Außenlager Ludwigsfelde

    Im Gebiet des heutigen Dichterviertels erstreckte sich eine sukzessive immer weiter ausgebaute Ansammlung verschiedener, von einander abgetrennter Barackenlager. [1]

    Im Bereich um das heutige Rathaus befand sich ein KZ-Außenlager, in dem weibliche Häftlinge untergebracht waren. Die Baracken waren zuvor als SS-Strafvollzugslager genutzt worden. Nachdem die dort inhaftierten, straffällig gewordenen SS-Leute 1944 Ludwigsfelde verließen, entstand dort ein KZ-Außenlager unter Verwaltung des KZ-Sachsenhausen.

    Bereits im Juni 1944 hatte wandte sich der Betriebsführer Karl C. Müller an die SS gewandt, um KZ-Häftlinge für die Produktion anzufordern. Ende September 1944 wurden die ersten Frauen in LKW aus Ravensbrück nach Ludwigsfelde gebracht. Im Oktober folgten weitere Transporte per LKW und in Viehwaggons. Ab November 1944 wurden zusätzlich bis zu 500 Häftlinge in Kellerräumen der Halle 24 – auch Deutschlandhalle  genannt – untergebracht. Im KZ-Außenlager Genshagen, das aus den Standorten Bahnhofslager und Halle 24 bestand, lebten schließlich bis zu 1.100 Frauen und Kinder.[2]

    Der Weg vom Bahnhofslager zu dem Arbeitsorten führte die Frauen kolonnenweise über die Potsdamer Straße und die Straße der Jugend zur Südwache. Sie waren dabei für alle Ludwigsfelderinnen sichtbar.

    Das letzte bauliche Zeugnis des Bahnhofslager, eine der nach 1945 verbliebenen SS-Verwaltungsbaracken, wurde im Zuge des Neubaus des Rathauses 1995 abgerissen. Teile der Baracke befinden sich heute im Depot des Museums Ludwigsfelde.


    [1] Zur Topographie siehe Luftaufnahmen bei Bauer, Helmuth (Hg.), Innere Bilder wird man nicht los die Frauen im KZ-Außenlager Daimler-Benz Genshagen, Berlin 2011, S. 379.

    [2] Jegielka, Das KZ-Außenlager Genshagen Struktur und Wahrnehmung der Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb 1944/45 [wie Anm. 1], 36 ff.