Im Nationalsozialismus wurde zwischen 1933 und 1945 eines der größten Zwangsarbeitssysteme der Geschichte geschaffen. Ca. 13,5 Mio. Zwangsarbeiter:innen wurden auf dem damaligen Gebiet des Deutschen Reiches und in den besetzten Gebieten ausgebeutet. Der zahlenmäßig größte Teil der Zwangsarbeitenden war in der Industrie, insbesondere in der Rüstungsindustrie sowie in der Landwirtschaft beschäftigt. Aber auch kleine und mittelständische Betriebe setzten vielfach Zwangsarbeitende ein.
Es gab sowohl zivile Zwangsarbeiter:innen, die mit oft falschen Versprechungen im Ausland angeworben, und Zivilist:innen, die aus den von Deutschland besetzten Gebieten verschleppt wurden, als auch Kriegsgefangene, Militärinternierte, Strafgefangene sowie ab 1938 erwerbslose Jüdinnen und Juden. KZ-Häftlinge wurden bereits in den frühen Konzentrationslagern, die unmittelbar nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten eingerichtet wurden, noch unsystematisch zur Arbeit gezwungen.[1] Mit der verwaltungsmäßigen Zentralisierung des Konzentrationslagersystems und der gleichzeitigen Einrichtung von KZ-Außenlagern wurden KZ-Häftlinge systematisch zur Zwangsarbeit eingesetzt.[2]
Insbesondere in Industriezentren wie Berlin lagen Zwangsarbeitslager auf engstem Raum zusammen und waren oftmals nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. In Berlin und der preußischen Provinz Brandenburg allein gab es über 4.000 Zwangslager.[3] (Zwangslager ist ein Sammelbegriff für Lager ziviler Zwangsarbeiter:innen, Kriegs- und Strafgefangener sowie KZ-Außenlager.)[4] Einen Eindruck, wie dicht dieses Netz aus Lagern war, verschafft die Lagerdatenbank des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit. Die Darstellung der Lager auf einer Karte zeigt eindrucksvoll, dass im Innenstadtbereich die Entfernung zwischen Zwangslagern oft nur wenige hundert Meter betrug.
Auch Ludwigsfelde entwickelte sich ab 1936 in wenigen Jahren zu einem solchen Industriezentrum, in dem große Zwangslager mit mehreren tausend Insassen dicht beieinander lagen.
Fast im gesamten heutigen Landkreis Teltow-Fläming und bis ins angrenzende Berlin hinein fanden sich neben großen Sammellagern zudem Pensionen, Hotels, provisorische Saallager, Scheunen und andere Behelfsunterkünfte, in denen Zwangsarbeitende aus über 20 Nationen untergebracht wurden.[5]
[1] Hermann Kaienburg, KZ-Häftlingsarbeit im Spannungsfeld von Repression und Wirtschaftsinteresse, in: Mario Glauert/Michael Wildt/Winfried Meyer (Hrsg.), Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg 2001, S. 23–46, hier S. 25.
[2] Ebenda, S. 27.
[3] Thomas Kersting, Lagerland. Archäologie der Zwangslager des 20. Jahrhunderts in Brandenburg – eine Einführung, Berlin 2022, S. 11.
[4] Ebenda.
[5] Barbara Hopmann (Hrsg.), Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, Stuttgart 2017, S. 213.
