Pressemitteilung

Zwangsarbeit als ein Schwerpunkt im Konzept für Erinnerungskultur in Ludwigsfelde

Etwa 30 geladene Gäste, darunter Stadtverordnete, Vereine und erinnerungspolitisch Aktive diskutierten am 11.11.2025 beim Ludwigsfelder Museumstag über die Zukunft der Erinnerungskultur der Stadt Ludwigsfelde. Monika von der Lippe, Leiterin des Fachbereiches Soziales, Familien, Sport und Kultur, betonte in ihrem Grußwort: „Erinnerungskultur in Ludwigsfelde soll nicht für die Schublade sein sondern gemeinsam gestaltet, nicht nur im Museum sondern in der ganzen Stadt.“

Der „Arbeitskreis Zwangsarbeit Gedenken“ begrüßt, dass mit der Veranstaltung ein Auftakt für die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für Erinnerungs- und Gedenkkultur in Ludwigsfelde gesetzt wurde. Stefan Gerbing vom Arbeitskreis erklärte: „An die mehr als zehntausend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in dem damals größten Luftrüstungsbetrieb Deutschlands arbeiteten erinnert derzeit wenig. Die zahlreichen Lagerorte auf dem Stadtgebiet sind heute überbaut und nicht mehr sichtbar. Aus unserer Sicht sollte ein wichtiger Schwerpunkt darin bestehen, diese Orte in geeigneter Form als wieder erfahrbar zu machen.“ In einem für die Veranstaltung vorbereiteten Thesenpapier plädiert der Arbeitskreis dafür, sich an innovativen Formaten wie z.B. dem Rundgang zu Zwangsarbeit in den Aradowerken in Potsdam oder künstlerischen Installationen wie beim KZ-Außenlager für Zwangsarbeiter bei NCR Neukölln inspirieren zu lassen.

Einen weitere dringliche Aufgabe sieht der Arbeitskreis in der Sicherung der wenigen bestehenden baulichen Zeugnisse wie den Kellerräumen der sogenannten „Deutschlandhalle“ oder auch Halle 24 auf dem früheren Daimler-Benz-Gelände. In dieser Halle waren weibliche KZ-Häftlinge aus Ravensbrück untergebracht, die in der Flugzeugmotorenfertigung arbeiten mussten. Darüber hinaus sollte aus Sicht des Arbeitskreises schnellstmöglich mit der Sondierung des früheren Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeitendenfriedhofs begonnen werden. Nach Gebeinsfunden im Juli diesen Jahres hat sich der Verdacht erhärtet, dass dort weiterhin Gebeine liegen, die identifiziert und würdevoll bestattet werden müssen.

Für den Arbeitskreis betonte Marlene Pardeller: „Die heutige Veranstaltung war ein guter Auftakt. Es kommt jetzt darauf an, die Diskussionen in die Stadtgesellschaft zu tragen und ins Handeln zu kommen.“ Wir freuen uns darauf Teil des Prozesses zu sein und ermuntern alle mit ihren Fragen und Ideen mit uns ins Gespräch zu kommen.“ Bürgermeister Igel betonte in seinen abschließenden Worten: „Die Ludwigsfelder müssen nicht nach Auschwitz fahren, um sich mit der Gewalt der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Sie finden sie direkt zu Hause, vor der eigenen Tür.“

Am 6.12.2025 wird der Arbeitskreis eine eigene Veranstaltung im Klubhaus durchführen und lädt alle Ludwigsfelderinnen und Ludwigsfelder dazu ein, sich zu informieren und mitzudiskutieren.

Das Thesenpapier kann hier heruntergeladen werden.